mkraxx's Blog

April 17, 2010

Von Mädchen und Mäusen…Arbeitsbedingungen in China

Einsortiert unter: Artikel, Sinn — Schlagworte: , — mkraxx @ 08:57

image Wer den Dokumentarfilm “China Blue” (nein, nicht diesen hier) zufällig oder absichtlich gesehen hat (sehr empfehlenswert übrigens), wird ohnehin nicht überrascht sein, aber gut dafür geeignet sich gewisse Nebeneffekte der Globalisierung wieder in Erinnerung zu rufen ist die Meldung trotzdem – und die Bilder sind recht eindrücklich.

Das National Labor Commitee (eine NGO, die sich der Bekämpfung von moderner Sklavenarbeit und der Vertretung der Interessen und Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern widmet – das glauben wir jetzt einfach mal) veröffentlichte am 13. April diesen Jahres Bilder aus einer chinesischen Fabrik die hauptsächlich als Zulieferer für Microsoft tätig ist. Nicht prickelnd (allerdings auch nicht überraschend), was so ans Tageslicht kommt:

15 Stunden-Schichten, 97-Stunden Wochen, Beschäftigung von Minderjährigen, Stundenlohn 65 US-Cent, Schlafräume für 14 Personen, Sprech-, Musikhör- und Toilettenbesuchsverbot während der Arbeitszeit, sexuelle Übergriffe durch “Sicherheitsbeamte”, 2000 Mäuse Soll pro Schicht, Einschränkung der Beweglichkeit, Ausgang nur während bestimmter Stunden – erinnert irgendwie an die Arbeitsbedingungen im englischen Bergbau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, oder?

Dass das nur ein Problem dieser Fabrik ist, glaubt ja ohnehin niemand, ich gehe eher davon aus, dass im Großteil der chinesischen Fabriken ähnliche Arbeitsbedingungen herrschen – und da mittlerweile alles in China produziert wird (schonmal auf die Made-in-Schilder eurer Kleidungsstücke geschaut?) – oder in Bangladesch, Mexiko oder sonst wo, wo es auch nicht wirklich anders sein dürfte, darf dieser Artikel als Erinnerung betrachtet werden,  sein Konsumverhalten zumindest kurzzeitig zu reflektieren, und auf persönlicher Ebene Nachschau zu halten wo Verhaltensänderungen möglich sind und sinnvoll wären.

Zum Nachlesen:

  • China’s Youth meets Microsoft – Artikel auf der Homepage des National Labour Committee: hier
  • Kurzzusammenfassung des Obigen auf seattlepi.com: hier
  • Pressereaktion von Microsoft auf dem offiziellen Microsoft-Blog: hier
  • Fotogalerie auf flickr: hier
  • Für mich (via)

Bild via flickr

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5 Kommentare »

  1. Nett, aber reichlich spät – was will man heute noch überdenken, dafür ist es längst zu spät.
    Die große Mehrheit der Konsumenten hat den neuen, stillen Imperialismus längst akzeptiert, unsere Sklaven sehen wir nicht mehr, aber es sind mehr als jemals zuvor.
    Wir wollen es so, alles muss schön billig sein und darf ja nichts kosten.
    Wir könnten ja nicht einmal mehr wenn wir wollten… man nehme zb. Computerprodukte, würde sich der asiatische Raum von uns “entfernen” (wie auch immer), wir hätten keine Computer etc. mehr, weil wir schlicht keine Produktionsstätten dafür haben – null, nichts…
    Wir wollen es billig! Dafür wollen wir auch das die Kinder, welche in der Türkei unsere Jeans färben mit 20 tot sind.
    Wir wollen es billig! Deshalb gehen wir auch zu McDonalds, weil wir wollen, dass der Regenwald verschwindet und die Leute in Südamerika verhungern.
    Die Welt ist groooooossssssarrrrtiiiiig!
    Enjoy!

    Kommentar von to — April 17, 2010 @ 16:03

    • Aber jeder darf ein bisschen drüber nachdenken – und im Kleinen nicht bei allem mitmachen. Auch wenn’s sicher nicht den durchschlagenden Effekt hat…

      Kommentar von mkraxx — April 17, 2010 @ 21:05

      • Sorry – zynische Phase…
        Jeder SOLL darüber nachdenken!
        Auch wenn ich dabei bleibe, dass es zu spät ist und das Erwachen grausam wird…
        Trotzdem passt der Artikel schon! Es ist ja ein trauriges Kapitel… irgendein früherer Chef von Coca Cola (Name ist mir entfallen) hat ja gemeint, es gäbe nichts schöneres als ein Kind arbeiten zu sehen.
        Tja… alles was wir haben gründet auf der Ausbeutung anderer, auch wenn diese heute weit weg und gut versteckt passiert, geändert hat sich nichts in den letzten paar hundert Jahren.

        Kommentar von to — April 18, 2010 @ 06:54

        • Außerdem muss ich etwas ergänzen… hab mir den Wikipedia-Link zu “Arbeitsbedingungen im englischen…” angesehen. Und wenn ich sehe, dass dort deToqueville zitiert wird, dann dreht es mir schon wieder den Magen um.
          deToqueville hat zwar wohl ein paar Zeilen über die schlechten Bedingungen unter der die Menschen arbeiten mussten verloren, war jedoch ein großer Verfechter der Aristokratie, und sah es als deren edle Aufgabe an, die Bedingungen doch etwas zu verbessern. Andererseits war er der strikten Meinung, das genau diese Arbeiter keinerlei gesetzliche Rechte erhalten sollten, das dies “nur die Faulheit und den sittlichen Verfall” fördern würde. Sie sollten viel mehr Leibeigene sein, die vom edlen und guten Aristokraten geführt werden.
          Einen der Vorreiter des Neoliberalismus in diesem Zusammenhang und ohne weitere Erklärung zu zitieren – typisch Wikipedia.

          Kommentar von to — April 18, 2010 @ 07:15

          • Oder typisch fauler Artikelschreiber…jedenfalls danke für die zusätzlichen Hintergrundinformationen

            Kommentar von mkraxx — April 18, 2010 @ 14:06


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