mkraxx's Blog

Mai 25, 2010

Raunzer: Komisch, dass der Aufschrei ausbleibt – OnlinePass/Project 10 Dollars: WTF?

Einsortiert unter: Artikel, Sinn — Schlagworte: , , , , — mkraxx @ 19:29

Money Pile Leute, Leute was ist mit Euch allen los? Ein riesiger Einschnitt in der Art und Weise wie wir mit Spielen umgehen passiert und: die Blogs sind bislang schweigsam und in diversen Podcasts (so z.B. beim M!Cast [und ich kann das, was ich von Ulrich kenne, eigentlich gut leiden] oder bei den Jungs von consol.at [Daumen hoch für Martin, der eine eher nutzer- als industriefreundliche Meinung vertritt]) – die Konsolerie einmal ausgenommen – werden Meinungen geäußert, die vom “Verständnis für die Publisher” bis hin zu “kann ich nachvollziehen und finde ich nicht so schlimm” reichen. Geht’s noch? Seid ihr alle gekauft? Oder…gehirngewaschen? Oder…Zombies? Das kann doch alles nicht wahr sein, die Computer- und Videospielindustrie versucht ein totalitäres Herrschaftssystem zu etablieren und niemand hat dazu eine Meinung?

 

Grundsätzlich hat sich wurde der Konsument digitaler Medieninhalte ja bereits daran gewöhnt, Produkte zu kaufen, deren Wiederverkauf prinzipiell gar nicht möglich ist – z.B. Musik im  iTunes-Store oder Spiele bei Steam, oder dessen private Nutzung beeinträchtigt ist (schon einmal versucht ein DRM-gefesseltes Hörbuch im AAC-Format auf dem MP3-tauglichen CD-Player im Auto zu hören? Viel Spaß dabei, ich wäre fast gegen die Wand gesprungen). Gut, ich persönlich kaufe bei Steam nur Spiele die fast nichts kosten, aber das macht nicht jeder so – und wer CoD:MW 2 nach 6 Stunden abgefrühstückt hat und dem Online-Spiel keine Affinität entgegenbringt, hat danach nur noch Datenschrott zum Vollpreis auf der Platte herumliegen (aber hey, man kann’s immerhin löschen, wenn man Platz auf der Platte braucht und [Obacht!] neu herunterladen, wenn man wieder Platz hat…). Und für das iTunes-Problem gibt es Umwege – trotzdem: ganz knusper ist das alles nicht.

Nebenher gab es vor Kurzem die Kontroverse um die ständige Notwendigkeit online zu sein – nein, nicht im Privatleben – so geschehen bei Assassins Creed 2 (Blogmeinung hier, Ubisoft-Standpunkt hier), auch zu haben bei bei Die Siedler 7 und Silent Hunter 5 (wenn auch in letzterem Fall nicht besonders erfolgreich). Ich habe keines der genannten Spiele gespielt, aber würde ich dies wollen, müsste ich bei meiner aktuellen Internetverbindung im Winter am Balkon spielen (hach ja, das mobile Internet, jetzt weiß ich auch warum es WIRKLICH so heißt…). Das ganze Gedöns finde ich mehr als seltsam, vor allem weil es meiner Meinung nach eher zu einer Verschärfung der Raubkopiersituation beiträgt als zu einer Milderung derselben – für mich ist es vorstellbar, dass Spielerinnen und Spieler aus Protest gegen diese Gängelung zumindest Cracks zur Anwendung bringen (auch wenn sie vielleicht das tatsächliche Spiel legal erworben haben.

Und jetzt, ganz neu und verrückt:

  • “Hej, der Markt für gebrauchte Spiele drückt unsere Verkaufszahlen, da müssen wir was tun! Es geht ja nun gar nicht an, dass 5 Personen unser Multimillionendollar-Baby nacheinander spielen, nur weil es gebraucht zum Kauf angeboten wird.”
  • “Ja, stimmt, aber wenn wir den Gebrauchtsoftwarekäufern das Ding komplett abdrehen, gehen die durch die Decke und die ersten Brandbomben segeln durch die Luft.”
  • “Hmmm…” [grübelgrübel]
  • “Hmmm…” [grübelgrübel]
  • “Na gut, dann koppeln wir halt die Online-Funktionalität an einen “Single-Use-Code…”
  • “…genau, und wer mit einem gebrauchten Spiel online spielen will, darf erst ein bisschen Kohle abdrücken.”
  • “Tolle Idee, so machen wir es, am besten gleich bei mehreren Spielen, die Trottel Leute gewöhnen sich schon daran.”
  • High Five und Schulterklopfen allerortens…

Eine kurze Zusammenfassung der letzten Ereignisse gibt’s hier.

Im Prinzip funktioniert das Ding so: Stellt euch vor, ihr kauft eine Audio-CD (ja, die Dinger gibt’s tatsächlich noch), die einen Satz Bonustracks enthält. Um diese zu hören, legt ihr die CD in das Laufwerk eures Rechners, geht online und gebt einen Code ein – und voila, los geht’s mit den geilen Bonustracks. Irgendwann hört ihr euch an der CD satt, und beschließt sie einem Freund zu verkaufen (der t-o-t-a-l auf die Bonustracks abfährt). Der wiederum legt sie zuhause in seinen CD-Player…aber wo zu Hölle sind die Bonustracks geblieben? Also, CD in den Rechner, Onlinerecherche ist angesagt. Und, siehe da, auf der Publisherseite angekommen, wird euer Freund von der Meldung begrüßt doch bitte mal fünf Euronen zu überweisen – da die CD ja gebraucht ist, und die Bonustracks bereits vom Erstbesitzer mehrmals (wenn sie gut waren) gehört wurden – dann könne er aber auch gerne den tollen Bonustracks lauschen. Ja, ähhh, hrrmmm, wie würdet ihr euch da wohl fühlen? “Veräppelt” ist noch das harmloseste Wort, das mir dazu einfällt.

Für dieses Konzept auch noch Verständnis aufzubringen, da fehlt mir persönlich schlicht und einfach die Einsichtsfähigkeit. Natürlich, Spieleproduktionen kosten Geld und werden immer aufwendiger – andererseits generiert z.B. das Stimulus-Map-Pack für CoD: MW2 ca. 10 Millionen Dollar [Quelle: Konsolerie-Podcast #25] – und da fehlt mir dann das Mitleid auch schon wieder. Ich will ja jetzt nicht sagen, dass früher alles besser war, aber man konnte seine Spiele zumindest problemlos weitergeben oder verkaufen, wenn man Lust hatte. Und dieses “Pay-per-Use”-Modell ist einfach der letzte Rotz und ein Schlag ins Gesicht aller Spielerinnen und Spieler.

Macht da nicht mit Leute, kauft die Spiele nicht, und spammt die Publisher mit E-Mails zu – wenn das Usus wird verlieren alle. Wehret den Anfängen sag ich nur, wehret den Anfängen! Ich fühle mich fast so verarscht wie die Springfield-Gemeinschaft damals im Mapple-Store:

Bild (via)

8 Kommentare »

  1. “sitting on a big pile of money kissing each other…..”

    Kommentar von der Katzenschrecker — Mai 25, 2010 @ 21:39

  2. Hatte bisher nicht den Eindruck, dass sich diese Praxis wirklich konzernübergreifend manifestieren wird. Aber eins ist schon mal klar: EA sucks, und zwar ganz gewaltig. Nicht nur wegen des geplanten “Pay-per-Use”-Modells, sondern weil der ganze Konzern und seine Praxis 100%ig auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist und die eigentlich erstrebenswerte Zielsetzung, dem Kunden ein positives, nachhaltiges Spielerlebnis zu bieten, vollkommen vernachlässigt wird.

    Kommentar von Carlo — Juni 4, 2010 @ 10:20

    • Sie wird, da verwette ich meine rechte Hand darauf – und das hat viele, viele Vorteile, zuerst nämlich: Ausschluss des Handels, Verdienst am Gebrauchtmarkt, ständige Online-Bindung des Kunden (da gab’s mal einen Artikel über Datenübermittlungsraten von am Netz hängenden, aktuellen Videospielkonsolen – da steppte der Bär, trafficmäßig, obwohl keiner sagen kann, was da genau übermittelt wird) und danach: reine Downloadspiele, keine Produktionskosten für physische Datenträger mehr (Ubisoft druckt ja eh schon keine Anleitungen mehr, der Umweltschutz, jaja), keine Möglichkeit die Dinger wieder zu verkaufen, und wenn die Server abgedreht werden, geht halt nix mehr (kürzlich geschehen beim Live-Service für die erste XBox…)

      Brave New World, da lob’ ich mir mein gutes altes SNES…

      P.S.: Positive, nachhaltige Spielerlebnisse wird’s aber trotzdem noch geben, das liegt meist mehr an den Studios, als am Publisher…

      Kommentar von mkraxx — Juni 6, 2010 @ 11:02

  3. Hmmm, ich finde du siehst das schon ein recht einseitig negativ. Zu Beginn des Internetzeitalters prognostizierten einige Schwarzseher auch schon den Tod der Printmedien.
    Neue technische Möglichkeiten verändern einen Markt, so viel ist klar, aber ich gehe fest davon aus, dass auch in zehn Jahren Videospiele auf Datenträgern im Handel verkauft werden, die auf unterschiedlichen Konsolen/Rechnern genutzt werden können. Den Gebrauchtmarkt zu torpedieren halte ich für eine kurzsichtige Idee, die von einem raffgierigen Manager bei EA erdacht wurde und von der Kundschaft nicht in der Breite angenommen werden wird. Letztlich ist der Kunde nämlich immer noch König und kann einen Markt steuern, wenn sich nur die Mehrheit einig ist.
    Für mich hat die permanente Vernetzung der aktuellen Konsolen eher Vor- als Nachteile. Ich sehe, ob meine Buddys online sind und was sie gerade zocken, kann sie anschreiben, mit ihnen chatten und vieles mehr. Datenschutztechnisch sicherlich höchstbedenklich, aber ich tue nix, was ich verbergen müsste, also halb so schlimm. Desweiteren gibt mir das Playstation-Network die Möglichkeit, kostenfrei Demos runterzuladen oder für wenig Geld interessante, innovative oder auch künstlerisch wertvolle und nicht zuletzt nostalgische Spiele zu kaufen, die es aufgrund eines kleinen Budgets niemals auf eine Blu-Ray, DVD oder ein Modul geschafft hätten.
    Zum Thema Publisher/Entwickler: Ein skrupelloser Publisher hat immer genügend Einfluss auf die Entwickler, um Titel mit großem Potential zu zerstören, EA hat dies mehrmals vorgemacht. Zum Glück gibt es immer noch Menschen wie Shigeru Miyamoto oder Kazunori Yamauchi, die ehrenhaft und auf der ständigen Suche nach Perfektion Spiele produzieren und stark genug sind, sich gegen ihre Geldgeber durchzusetzen.
    Ein weiteres positives Beispiel aus der Industrie: Eutechnyx, ein Studio mit Hauptsitz in England, welches in Zukunft auch die Vermarktung ihrer Produkte in die Hand nimmt. Zwar haben sie bisher nicht wirklich berauschende Titel hervorgebracht, aber sie arbeiten eng mit der Community zusammen und legen sehr viel Wert auf das Feedback ihrer Kunden. Anfang des Jahres war ich Beta-Tester für Supercar Challenge und die Entwickler waren wirklich bemüht, das Spiel nach den Wünschen der Community zu formen.
    Also, der Markt entwickelt sich weiter… und das ist unter’m Strich auch gut so. ;-)

    Kommentar von Carlo — Juni 6, 2010 @ 20:03

    • Ist schon spät, aber so viel Text kann man ja nicht unbeantwortet lassen:

      - die Datenträger: in zehn Jahren sind die Dinger schon lange weg, Sony hat mit der PSP-Go bereits den ersten Schritt getan (kein Laufwerk mehr), der allerdings aufgrund mehrerer Fehler tüchtig in die Hose gegangen ist (yay!). Am PC: vielleicht, aber auf den Konsolen glaub’ ich das nicht. Meiner Meinung nach wird die Schar der Konsumenten langsam aber stetig desensibilisiert was die Theme “Online” und “Spiele” angeht – wobei ich DLC prinzipiell nicht schlecht finde, ich habe jeden Zusatz zu Fallout 3 mit Freude gespielt, aber bei Mass Effect 2 geht’s mir z.B. total hinten vorbei. Aber die Konsumenten werden sich dran gewöhnen – und dieser Prozeß wird schleichend passieren, sodass die meisten Leute gar nicht mitbekommen, was da passiert.

      - der finazielle Mitschnitt am Gebrauchtmarkt: kommt nicht von EA alleine, THQ ist auch schon an Bord, und weitere werden folgen. Das ist für mich persönlich zurzeit die größte Frechheit, ich will mit meinen Dingern die ich gekauft habe, das tun was ich will – rein aus Prinzip, ich vrkaufe ohnehin keine Spiele, aber für mich ist das ein wirklich großer Einschnitt (siehe CD-Beispiel im Artikel)

      - das Gehirn der Kunden: das funktioniert schon bei Tankstellen-Boykotten nicht, und wenn das neue CoD erscheint ist’s Essig mit Hirn, da denkt keiner über gezielte Maßregelung der Publisher durch Konsumverweigerung nach…

      - zum Online-Gaming: kann ich eigentlich nichts sagen, das hat mich noch nie interessiert, aber wenn man ständig online sein muss, um alleine spielen zu können stellt es mir trotzdem die Haare auf. Dass du nichts tust, was du verbergen müsstest ist ok, aber die grundsätzliche Mentalität dieser Aussage befürwortet auch Dinge wie Netzsperren und die Vorratsdatenspeicherung – in D eh immer ein Thema (highly recommendable: die Podcasts von Chaosradio und Chaosradio Express zu diesen Themen). Indie-Games finde ich prinzipiell aber sehr cool, da ist durch das Medium Internet eine schöne Szene mit schönen Spielen entstanden.

      - Ja, die Publisher: da hast du wahrscheinlich recht, deshalb erscheint auch so viel stromlinienförmig gefönter Schrott dieser Tage…

      - Kunden-Feedback: finde ich gut, auch die Geschichte mit der Beta ist cool (noch immer bei den Tourenwagen?) da gab’s noch ein anderes positives Beispiel in letzter Zeit (Starcraft 2??) ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher…

      Greetz…

      Kommentar von mkraxx — Juni 6, 2010 @ 21:40

  4. Nun gut… Wir werden beobachten wie sich die Dinge entwickeln und ich werde weiterhin (fast ausschließlich) Rennsimulationen zocken. Zum Glück bin ich dafür nicht auf EA oder THQ angewiesen, so wie die armen Shooter-Spieler, Gott sei ihnen gnädig.

    Übrigens steht gerade die Wii von meinem kleinen Bruder bei mir herum, u.A. New Super Mario Bros.Wii dabei und Super Mario Kart habe ich über Virtual Konsole runtergeladen. Aber so wirklich Freude kommt irgendwie nicht auf. Da lese ich doch lieber einen netten Beitrag über längst vergangene Videospielepochen und erinnere mich an die Freude, die ich damals beim Zocken hatte.

    Gruß, Carlo

    Kommentar von Carlo — Juni 7, 2010 @ 15:29

  5. [...] unter: Artikel — Schlagwörter:Internet, Links, Spiele — mkraxx @ 20:14 Nachdem sich kürzlich in den Kommentaren eine nette Diskussion zur Spieleindustrie entwickelt hat, mache ich jetzt mal Werbung für andere [...]

    Pingback von Fremdwerbung « mkraxx's Blog — Juni 8, 2010 @ 20:14


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