
Nachdem die Hardcore-Kommerz-Techno-Mucke von lokalen Krampus-Umzug (am 21.11. !!!) nun gnädigerweise verstummt ist und mich nicht mehr in Wahnsinn und Aggression treibt mir nicht mehr das Denkvermögen vernebelt, sollte es möglich sein ein paar Sätze zum gestrigen Konzert von “Bernd Begemann & die Befreiung” im B 72 in Wien zu Papier auf den Bildschirm zu bringen.
Die Lokalität kann als “gemütlich” bezeichnet werden, es handelt sich also um ein eher kleines Lokal, dass aber – den eher dürftigen Bekanntheitsgrad der Künstler in Österreich in Betracht ziehend – zum Brechen gefüllt war. Es ist jetzt natürlich irgendwie ein bisschen seltsam, wenn vier Herren aus Hamburg die Bühne betreten die schon näher am fünften (sogar ziemlich nahe), als am vierten Lebensjahrzehnt stehen, und von denen einer einen kaffeebraunen Anzug inklusive Krawatte trägt. Dazu wird deutscher Pop (im allerbesten Sinne) gespielt – darauf muss man sich einlassen können. Viel Zeit dazu bleibt allerdings nicht, denn was sich ab der ersten Minute auf der Bühne abspielt, lässt einem den Mund weiiiiit offenstehen.

Der Bär steppt – aber wie! Die Trackliste ist bis auf wenige Nummern eher auf “rockig & schnell” getrimmt, und von der ersten Sekunde an, gelingt es der Band eine extrem dynamische, druckvolle Atmosphäre zu erzeugen, gewürzt mit Situationskomik, Improvisationstalent und Publikumsinteraktion auf sehr hohem Niveau. Das Auditorium kennt offensichtlich das Werk der Band, wortgetreues Mitsingen ist eher die Regel als die Ausnahme. Bereits nach dem ersten Lied geht das Sakko des Frontmannes den Weg des Verschwitzten, aber das Tempo wird locker für den Rest des Konzerts gehalten. Ausdrucksstarke Mimik, ein beeindruckender Stimmumfang und eine Audioqualität die – für eine Lokalität dieser Größe – sensationell ist, führen zusammen mit dem herum fliegenden Schweißtropfen von Bernd Begemann zu einem Konzerterlebnis allererster Güteklasse. Man darf ihm zu einem beeindruckenden Bewegungstalent gratulieren - da wird getänzelt, gesprungen, gedreht, geredet, gelacht, auf die Knie gefallen und an sämtlichen Instrumenten so richtig Gas gegeben. Der Rest der Band verblasst vor diesem Hintergrund visuell naturgemäß, aber als wirkliches Problem würde ich das nicht bezeichnen – man merkt auch jederzeit, dass die vier zusammengehören und ein langjährig eingespieltes Team sind.
Fazit: sehr schön dabei gewesen zu sein!
Für diejenigen, die sich einhören wollen gibt es auf der offiziellen Homepage der Band einige Stücke zum Probehören, biographischen Informationen gibt es auf Wikipedia, und wer sich für Filme interessiert ist mit dem Ohrensessel-Podcast – der einmal in der Woche von Bernd, Ben und Kai aufgenommen wird gut beraten und unterhalten.
Homepage: http://bernd-begemann.de/
Biographie: http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Begemann
Ohrensessel-Podcast: http://www.ohrensessel-filme.de/
Rock on, Bernd!
